Von China lernen heißt ...
04/08/2008 13:29Abgelegt in:
By the way... zensieren lernen.
Es geht doch!
Entweder man sperrt 99% der Webseiten im Internet und lässt nur einige wenige zu (positiver Filter) oder man sperrt bestimmte Internetseiten durch Filter und lässt alle anderen zu (negativer Filter). So simpel will ich das mal darstellen.
In China wird (im Zusammenhang mit Olympia) der "positive Filter" verwandt. Die internationalen Journalisten sollen nur begrenzten Zugang zum Internet haben.
Dass sich darüber alle aufregen kann ich gut verstehen und vertrete eigentlich auch den grundgesetzlich verankerten Imperativ: Eine Zensur findet nicht statt!
Nun habe ich mal darüber nachgedacht, was eine Beschränkung des Informationszugangs auch an Positivem bringen könnte.
Ja, das habe ich mir mal erlaubt!
Da sind z. B. Seiten mit Kinderpornographie. Alle diese Seiten, so denke ich, ohne mir die je angesehen zu haben, können nur entstanden sein durch brutale Ausbeutung, Unterdrückung und basieren auf dem Leid unzähliger Kinder und deren Eltern.
Warum sollten diese Seiten eigentlich nicht herausgefiltert werden? Warum sollte es eigentlich denjenigen, die sich an dieser sexuellen Ausbeutung und der psychischen Vernichtung von Kindern aufgeilen, nicht so gut wie möglich erschwert werden, an diese Seiten zu kommen?
Wäre das wirklich Zensur? Wäre das wirklich das Ende des Internets, als freier Informationsbasis?
Da sind z. B. die Hetzseiten der Rechtsradikalen Szene. Auch hier geht es darum andere Menschen zu erniedrigen, psychisch und physisch fertig zu machen, zu Tötung aufzurufen etc.
Nein, durch Sperrung der Seiten werden Rechtsradikale in Deutschland und der Welt nicht wirklich entscheidend bekämpft oder gar unschädlich gemacht.
Aber kann dadurch nicht die Rekrutierung erschwert werden? Könnte dadurch nicht die Verbreitung rassistischer Hetze erschwert werden? Wären das nicht auch durchaus sinnvolle Mittel der Bekämpfung des Rechtsradikalismus?
Verteiler rechtsradikaler Flugblätter mit rassistischem Inhalt werden (nicht immer, leider) bestraft, die Flugblätter konfisziert. Warum also nicht auch die Websites? Beschränkt dies wirklich den freien Informationszugang?
Für mich bedeutet das Nichtvorhandensein rechtsradikaler oder kinder-pornographischer Seiten keinerlei Behinderung meines Informationsbedürfnisses und ich glaube, dass dies auf eine übergroße Mehrheit der Internetnutzer zutrifft.
Natürlich gibt es auch ein breite Diskussion zur vermeintlichen Beschränkung der Informations- und Kommunikationsfreiheit im Netz. Als ein Beispiel zitiere ich odem.org:
"In den nächsten Jahren wird sich die weitere Entwicklung des Internets entscheiden. Wollen wir ein homogenes, von großen Medienkonzernen und Start-Ups beherrschtes Netz, oder ein freies Kommunikationsnetz, in dem weltweit nichtkommerzielle Projekte, private Kommunikation, Online-Shopping, alternative Nachrichten und etablierte Medienkonzerne nebeneinander existieren? Wenn wir jetzt auf ein national oder gar regional reguliertes Internet zurückfallen, anstatt eine weltweite Kommunikation zu dulden, dann platzen alle Hoffnungen des Informationszeitalters wie bereits die dot.com-Blase.
Letztendlich handelt es sich um eine gesellschaftspolitische Frage, nicht um eine juristische, denn:
Wir Internet-Nutzer wollen auch weiterhin die Kontrolle darüber haben, welche Informationen und Inhalte uns wann und wie erreichen!" [>>]
Dies ist m. E. ein undifferenzierter Blick und eine vereinfachende Darstellung der Problemlage. Es scheint mir nicht darum zu gehen, ob es künftig: "ein homogenes, von großen Medienkonzernen und Start-Ups beherrschtes Netz" oder "eine freies Kommunikationsnetz, in dem weltweit nichtkommerzielle Projekte, private Kommunikation, Online-Shopping, alternative Nachrichten und etablierte Medienkonzerne nebeneinander existieren", zu gehen sondern darum, ob wir, die privaten und/oder kommerziellen Nutzer, zusammen mit Rassisten, Terroristen, Kinderschändern etc. das Medium teilen wollen.
Und das scheint mir in der Tat eine "gesellschaftspolitische Frage zu sein" zu sein.
Einerseits will ich keine Zensur und auch nicht Schäuble Tür und Tor öffnen, andererseits würde ich auch andere Medien, die ich nutze, nicht mit Kinderschändern, Rassisten usw. teilen wollen.
Vielleicht muss, gerade wegen der möglichen internationalen Verbreitung von Informationen auch der Mut aufgebracht werden, über die Bereitstellung einer weltumspannenden Plattform für derartige gesellschaftlich destruktive Information und Kommunikation, nach zu denken.
Wenn undifferenziert von "Wir Interent-Nutzer" gesprochen wird, die "auch weiterhin die Kontrolle darüber haben (wollen), welche Informationen und Inhalte uns wann und wie erreichen" dann kann ich eine leichte Gänsehaut spüren. Das Internet ist der Spiegel der Weltgesellschaft, genauso wie nationaler oder regionaler Gesellschaften, d. h. auch hier gibt es Mitglieder, deren Positionen und Verhalten ich nicht grenzenlos unterstütze und mit denen mit kein Wir-Gefühl verbindet.
Nun bin ich gespannt auf eure konstruktive Kritik.